
1 Alzheimersche Krankheit
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1.5.3.2 Tau-Aggregation in vitro
Momentan sind ca. 22 verschiedene Krankheiten bekannt, in welchen eine
Veränderung der Sekundärstruktur eines Proteins entscheidenden Einfluss auf den
Krankheitsverlauf nimmt. Unter ihnen sind fünf (Creutzfeldt Jakob Krankheit,
Huntingtons Krankheit, Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer und Frontotemporale
Demenz), in welchen diese fehlerhafte „Umfaltung“ im Gehirn stattfindet. Die präzise
Art und Weise wie ein üblicherweise unlösliches Protein seine Sekundärstruktur
derart umgestalten kann, dass daraus stabile Polymere mit völlig anderen
Eigenschaften entstehen, bleibt ungeklärt. Vereinheitlichte in vitro Modelle bieten die
Möglichkeit, die Ursachen der Bildung von PHFs besser zu verstehen.
Die Rekonstruktion der Tau-Aggregation war zunächst von zwei grundlegenden
Problemen bestimmt. Aufgrund der extrem hydrophilen Eigenschaft von Tau und der
daraus resultierenden sehr geringen Aggregationstendenz war es schwierig, die
Stufen der PHF-Bildung mit biochemischen bzw. spektroskopischen Methoden zu
verfolgen. Außerdem bestanden Zweifel, ob in vitro Aggregate mit denen aus der
Alzheimerschen Krankheit vergleichbar sind.
Mit der Entdeckung verschiedener Eigenschaften verlor das Problem der langsamen
Aggregationsrate immer mehr an Bedeutung. Durch Wahl von geeigneten Tau-
Domänen, die Region der Mikrotubulin-Bindungs-Domänen allein bildet z.B.
wesentlich schneller PHFs als „normales“ Tau,
[130-132]
und durch Addition gewisser
Co-Faktoren wie z.B. Polyanionen (Heparin, Polyglutamat, Nukleinsäuren wie RNA)
oder Fettsäuren konnte die Aggregationsgeschwindigkeit enorm gesteigert
werden.
[133-137]
Die Interaktion mit Polyanionen führt im Tau-Molekül zu einer Änderung der meist im
random coil vorliegenden Sekundärstruktur. In manchen Bereichen kommt es zur
Bildung von β-Faltblatt-Strukturen. Es konnten zwei Hexapeptid-Motive in der zweiten
und dritten Mikrotubulin-Bindungs-Domäne identifiziert werden, die ganz
entscheidend an dieser Konformationsänderung mitwirken.
[138]
Manche FTDP-17
Mutationen liegen z.B. innerhalb oder in unmittelbarer Nähe zu diesen Hexapeptiden
(∆K280, Abb. 1.15) und beschleunigen die PHF-Aggregation, indem sie die Neigung
zu einer β-Faltblatt-Struktur erhöhen.
[139,140]
Die Mikrotubulin-Bindungs-Domäne
bildet folglich das Zentrum einer Tau-Faser im Rekombinant. Dies konnte genauso
für Tau-Fasern in Gehirnen von Alzheimererkrankten gezeigt werden.
[141-143]
Durch
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