
1 Alzheimersche Krankheit
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1.6.2 Oxidativer Stress, Calcium-Homöostase und Zelltod
Die Mechanismen zur Bildung der Neurofibrillären Bündel und der Aβ-Plaques
werden immer besser verstanden. Die Konsequenzen dieser Ablagerungen für den
Krankheitsverlauf können allerdings noch nicht mit absoluter Klarheit aufgezeigt
werden.
Erhöhter oxidativer Stress, also die unkontrollierte Produktion von hoch reaktiven
Sauerstoffradikalen, und ein fehlerhafter Energiestoffwechsel der Zelle sind
Merkmale einer ganzen Reihe von altersbedingten Krankheiten. Gerade in der
Umgebung von Plaques und Neurofibrillären Bündeln zeigen Gehirnzellen von
Alzheimerpatienten unnormal hohe Mengen an oxidativ veränderten Proteinen,
Lipiden und DNA, weshalb ein direkter Zusammenhang offensichtlich erscheint.
[169]
Infolgedessen wurden verschiedenste Möglichkeiten, wie Aβ oder die redoxaktiven
Metalle Fe
2+
und Cu
+
, als Quellen für den oxidativen Stress untersucht.
[25,169,170]
Während des Aggregationsprozesses bildet Aβ durch unterstützende Einwirkung von
Fe
2+
und Cu
+
Wasserstoffperoxid,
[24,171]
ein hochreaktives Zellgift, welches zur
Lipidperoxidation beiträgt. Es kommt zur Bildung von 4-Hydroxynonenal (4HNE),
einem neurotoxischen Aldehyd, welches die Modifizierung bzw. Zerstörung einiger
Membranproteine einleitet und Proteinaggregationen auslöst.
[172]
Aβ kann außerdem
die Elektronentransportkette der Mitochondrien schwächen. Es kommt zu einer
Verminderung der ATP-Produktion und zur Bildung von Superoxidionen, welche
durch die Wirkung der Superoxid-Dismutase in Wasserstoffperoxid überführt werden.
Durch Interaktion mit Fe
2+
- und Cu
+
-Ionen entstehen Hydroxylradikale, die zur
Dysfunktion des Endoplasmatischen Retikulums (ER) beitragen. Superoxid
interagiert zusätzlich mit Stickstoffmonoxid und erzeugt Peroxynitrit, welches den
„Mitochondrien-Stress“ erhöht (Abb. 1.18).
Ein gestörter Energiestoffwechsel konnte in „Gehirn-Imaging-Studien“ von lebenden
Alzheimerpatienten nachgewiesen werden.
[173]
In transgenen Mäusen wurde
außerdem ein erniedrigter Glucosestoffwechsel in Verbindung mit einer erhöhten
Menge von Aβ festgestellt.
[24,174]
Weiterhin hat sich gezeigt, dass die hypoxische (auf
Sauerstoffmangel beruhende) Toleranz in APP mutierten Mausmodellen erniedrigt
ist, weshalb eine frühe Rolle des gestörten Energiemetabolismus als pathogene
Folge der abnormalen APP-Prozessierung angenommen wird.
[175]
Der durch Aβ ausgelöste oxidative Stress hat außer den beschriebenen
Auswirkungen des Energiestoffwechsels drastische Folgen für das
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