
2 Wirkstoffdesign
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Austauschprozesses bestimmt letztlich, ob die Wasserstoffbrücken-Bildung zwischen
Protein und Ligand zur Bindungsaffinität beiträgt.
Je nach Elektronegativität der beteiligten Atome können Wasserstoffbrücken in
schwache und starke Wechselwirkungen eingeteilt werden (Tab. 2.1). Die meisten
zählen dabei zu den High-barrier H-Brücken (HBHB). Das H-Atom ist hier stärker an
das Donoratom gebunden als an das Akzeptoratom. Hingegen liegt bei den Low-
barrier H-Brücken (LBHB) das Wasserstoff-Atom gleichermaßen zwischen den
beiden Atomen verteilt vor. Diese Brücken sind symmetrisch aufgebaut, haben einen
Winkel von 180° und sind sehr stark.
LB-H-Brücken HB-H-Brücken
Starke Schwache Sehr schwache
O-H⋅⋅⋅O
-
O-H⋅⋅⋅O N-H⋅⋅⋅N O-H⋅⋅⋅π-System
F-H⋅⋅⋅F O-H⋅⋅⋅N
N-H⋅⋅⋅O
Tabelle 2.1. Stärke von Wasserstoffbrücken.
Neben den Wasserstoffbrücken können geladene Gruppen des Liganden an
entgegengesetzt geladene Gruppen des Proteins über ionische Wechselwirkungen
(auch Salzbrücken genannt) für die molekulare Erkennung verantwortlich sein. Im
Protein sind bei physiologischem pH-Wert (ca. 7.4) die Guanidin-Seitenketten von
Arginin (pK
a
= 12.5) und die Aminseitenkette von Lysin (pK
a
= 10.8) protoniert und
damit positiv geladen. Die Imidazol-Seitenkette von Histidin (pK
a
= 6.5) kann in
Abhängigkeit der mikroskopischen Umgebung protoniert oder neutral vorliegen.
Negativ geladene Gruppen stellen die Carboxylat-Seitenketten von Asparagin- (pK
a
=
3.9) und Glutaminsäure (pK
a
= 4.1) dar. Allerdings hängt der genaue
Protonierungszustand auch hier von den lokalen elektrostatischen Verhältnissen in
der Umgebung der jeweiligen funktionellen Gruppe ab und kann sich sogar während
der Ligandenbindung ändern.
[191]
Wesentliche Beiträge zur Affinität eines Liganden zu seinem Rezeptor liefern auch
sog. Dispersionswechselwirkungen (van-der-Waals-Wechselwirkungen, London-
Dispersionskräfte). Es handelt sich dabei um Anziehungskräfte zwischen induzierten
Dipolen, welche auf sehr kurzem Abstand wirken (∼1/r
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) und sehr schwach sind, sich
bei größeren Assoziationsflächen aber zu beträchtlichen Energiebeiträgen
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